ACT-Jahrestraining
Bewusst entscheiden und das leben, was Ihnen wichtig ist
Bewusst entscheiden und das leben, was Ihnen wichtig ist
Sie möchten eine Grenze setzen, etwas ansprechen oder einen neuen Schritt beginnen. Doch dann tauchen Zweifel auf. Sie spüren Unsicherheit oder bemerken, dass Sie wieder so reagieren, wie Sie eigentlich nicht reagieren wollten.
Das ACT-Jahrestraining bietet Ihnen einen Rahmen, solche Erfahrungen genauer kennenzulernen. In einer festen Gruppe verbinden wir praktische Übungen, gemeinsamen Austausch und die Erprobung in Ihrem Alltag.
Es geht nicht darum, schwierige Gedanken und Gefühle zuverlässig loszuwerden. Wir erkunden, wie Sie mit ihnen umgehen und Ihr Handeln stärker an dem ausrichten können, was Ihnen wichtig ist.
ACT steht für Acceptance and Commitment Therapy, auf Deutsch Akzeptanz und Commitment Therapie. Im Mittelpunkt steht eine Frage: Wie können wir ein Leben gestalten, das uns entspricht, auch wenn schwierige Gedanken und Gefühle dazugehören?
Manchmal beschäftigen wir uns so sehr damit, Unsicherheit, Ärger oder Selbstzweifel loszuwerden, dass andere Möglichkeiten aus dem Blick geraten. Wir schweigen, obwohl wir etwas sagen möchten. Wir sagen zu, obwohl unsere Grenze erreicht ist. Oder wir warten darauf, uns endlich bereit zu fühlen.
ACT lädt dazu ein, diesen Umgang genauer zu betrachten. Was geschieht gerade? Wie reagiere ich darauf? Hilft mir mein Verhalten kurzfristig, und welche Folgen hat es auf längere Sicht?
Wenn Sie ein vertrautes Reaktionsmuster rechtzeitig bemerken, kann ein Punkt der Entscheidung entstehen. Der Gedanke oder das Gefühl darf weiterhin da sein. Es muss aber nicht allein bestimmen, was Sie als Nächstes tun.
Diese Fähigkeit nennt ACT psychologische Flexibilität. Sie bedeutet nicht, alles hinzunehmen oder immer gelassen zu sein. Es geht darum, situationsgerecht entscheiden zu können, was Sie beibehalten oder verändern möchten, orientiert an Ihren persönlichen Werten.
Der Kurs ist erfahrungsbasiert. Eine angeleitete Übung steht meist im Mittelpunkt eines Abends. Daraus entstehen Beobachtungen, Fragen, Erkenntnisse und der gemeinsame Austausch.
Wir arbeiten mit achtsamkeitsbasierten Übungen, Papier und Gegenständen sowie systemischen Zugängen zu Rollen und inneren Anteilen. Sie können beispielsweise erkunden, wie es ist, eigene Selbstbeschreibungen vor sich zu sehen, verschiedene innere Perspektiven wahrzunehmen oder einen kleinen Schritt zu beginnen, während Unsicherheit mit dabei ist.
Kurze Erläuterungen helfen, die Erfahrungen mit ACT und Ihrem Alltag zu verbinden. Die Theorie dient dabei der Orientierung. Sie ersetzt nicht das eigene Erleben.
Zwischen den Treffen erhalten Sie konkrete Übungsvorschläge. Sie ermöglichen, Erfahrungen weiterzuverfolgen und beim nächsten Termin wieder aufzugreifen.
Sie entscheiden, welche Inhalte Sie in der Gruppe teilen möchten. Bei Übungen mit Bewegung, Nähe oder Berührung bleiben Ihre Grenzen maßgeblich.
In meiner Praxis arbeite ich mittlerweile in den meisten Beratungsstunden mit ACT. Dabei äußern Klient:innen immer häufiger den Wunsch, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und über längere Zeit gemeinsam weiterzuarbeiten. Diesen Wunsch greife ich mit dem ACT-Jahrestraining auf.
Die acht Termine verteilen sich über ein Jahr. Zwischen den Treffen liegt Zeit, um etwas auszuprobieren, eine Übung erneut aufzugreifen und zu beobachten, was unter anderen Bedingungen geschieht.
Beim nächsten Treffen können wir daran anknüpfen: Was war hilfreich? Was blieb schwierig? Welche Frage ist neu entstanden?
Der längere Zeitraum garantiert keine Veränderung. Er bietet jedoch einen kontinuierlichen Rahmen, in dem Erfahrungen nicht auf einen einzelnen Abend begrenzt bleiben.
Das Training orientiert sich an den sechs miteinander verbundenen ACT-Prozessen des Hexaflex. Jeder Abend hat einen Schwerpunkt. Die Prozesse greifen dabei ineinander.
1. Einführung in ACT und psychologische Flexibilität
Wir schaffen eine gemeinsame Grundlage und erkunden erste Erfahrungen mit unterschiedlichen Umgangsmöglichkeiten bei schwierigem Erleben.
2. Gegenwärtigkeit (Hier und Jetzt)
Wir beobachten, was gerade wahrnehmbar ist und wie Sinneserfahrungen, Gedanken, Erinnerungen und Erwartungen zusammenwirken.
3. Werte
Wir erkunden, was unserem Leben Bedeutung gibt und wie persönliche Werte in konkreten Handlungen Ausdruck finden können.
4. Defusion
Wir betrachten den Einfluss von Gedanken und Selbstbeschreibungen. Eigene Anteile werden sichtbar, ohne dass sie beseitigt oder verändert werden müssen.
5. Akzeptanz und Bereitschaft
Wir erkunden, was sich beeinflussen lässt und wie wir dem begegnen können, was im Moment bleibt. Akzeptanz bedeutet dabei weder Gutheißen noch Aufgeben.
6. Selbst als Kontext
Mit systemischer Rollen- und Teilearbeit betrachten wir verschiedene Seiten von uns und ihr Zusammenspiel, ohne uns auf eine einzelne Selbstbeschreibung festzulegen.
7. Engagiertes Handeln
Wir entwickeln kleine, wertebezogene Handlungsmöglichkeiten und erproben den Übergang zum Tun. Ein Schritt darf angepasst, unterbrochen oder neu gewählt werden.
8. Kursreflexion und Abschluss
Wir blicken auf den gemeinsamen Weg zurück: Was ist im Alltag lebendig geworden? Was blieb offen? Was möchten Sie weiterführen?
Das Training richtet sich an Menschen, die ihren Umgang mit Gedanken, Gefühlen und eigenen Handlungsmustern erkunden und verändern möchten.
Sie sind willkommen, wenn Sie bereits einen Achtsamkeitskurs besucht haben, ACT aus einer Beratung kennen oder bisher an keinem Angebot meiner Praxis teilgenommen haben. Vorerfahrung mit ACT oder Achtsamkeit ist nicht erforderlich.
Wichtig ist die Bereitschaft, sich auf eigene Erfahrungen einzulassen und unterschiedliche Sichtweisen in der Gruppe zuzulassen. Sie müssen weder besonders viel von sich erzählen noch bereits genau wissen, was Sie verändern möchten.
Wenn Sie unsicher sind, ob das Gruppenformat zu Ihrer aktuellen Situation passt, können wir dies vorab besprechen.